Es findet jeden Freitag statt. Früher war es um 14 Uhr, heute ist es um 16 Uhr. Wenn alle Autos sich langsam in der Olshausenstraße nach oben begeben, links und rechts nach Hause abbiegen, um in ihr wohlverdientes Wochenende zu gehen, dann treffen sich einige wenige vor dem Eingang der ehemaligen EWF. Ein kleiner Kreis mit eingeschworenen Begrüßungsritualen setzt sich in die bereits verlassene Universität und beginnt mit ihrer Arbeit. Die Sitzung wird eröffnet. Während über Terminlichkeiten diskutiert wird, finden kleine Nebengespräche statt. Es wird über den Tisch gezwinkert, man kennt sich. Bei Kaffee und Brötchen bereitet man sich vor. Es wird Wissenschaft betrieben. Als neues Mitglied ist es manchmal schwer zu folgen, die Teilnehmenden kennen sich lange. Es wird zwischen Wissenschaftstheorien hin und her gesprungen. Rechtfertigungen ausgesprochen, die sich in kryptischen Halbsätzen verbergen. Es scheint bei manchen Argumentationslinien nicht mehr notwendig, sie in Gänze auszuführen, da ein zustimmendes Nicken bestätigt, dass sie nachvollzogen worden sind. Die jahrelange Arbeit beweist sich in diesen kleinen Handlungsvollzügen.
Wer nun Angst hat in diesem Kreis auf elfenbeinartige Wesen zu treffen, die sich seit Jahren in ihrem Freitagsturm verstecken, liegt falsch. Interessierte aller Art sind stets herzlich willkommen. Man wird neugierig aufgenommen, es ist schnell möglich sich einzugliedern und man beginnt zu staunen. Im offenen Diskurs kann man sich einbringen, auf jeder Stufe einsteigen und sich mit seinen wissenschaftlichen Ansichten integrieren. Auch wenn nicht alles sofort verständlich ist, ist dieser Zirkel eine Möglichkeit wissenschaftliches Arbeiten zu lernen und eigene Erkenntnisse zu lehren. Und immer wieder freitags schwimmen wir gegen den Strom und fahren die Olshausenstraße nach unten, um uns erst einmal zu begrüßen.